lilawohnt StoP – Stadt ohne Partnergewalt im Tiroler Unterland
von Jil R.
Im Tiroler Unterland wächst eine Bewegung, die laut sagt: Gewalt hat keinen Platz – weder in unseren Familien noch in unseren Nachbarschaften. Unser Projekt „StoP – Stadt ohne Partnergewalt (1)“ bringt Menschen zusammen, die nicht wegsehen, sondern gemeinsam gegen Partnergewalt und Gewalt an Kindern handeln.
Durch das Aufzeigen von Unterstützungsmöglichkeiten sollen Personen dazu ermächtigt werden, selbst Hilfe zu leisten oder sich Hilfe zu holen – ohne dabei auf den Selbstschutz zu vergessen. StoP soll dazu beitragen, dass sich Betroffene von Gewalt nicht mehr aus Angst und Scham verstecken müssen, sondern sich Unterstützung holen.
In den monatlichen Nachbarschaftstreffen/Aktionsgruppentreffen wird überlegt, welche Aktionen gemeinsam umgesetzt werden können, um Menschen zur Zivilcourage gegen Partnergewalt zu ermutigen und Bewusstsein zu schaffen. Die Möglichkeiten sind vielfältig und reichen von Aktionen bei denen Informationen über Flyer verteilt werden, über Gesprächsrunden und Veranstaltungen bis hin zu Workshops. Die Aktionsgruppe setzt die Impulse für neuen Ideen und Aktionen. Und gemeinsam setzen wir diese um!
Ziel ist, eine breite Bewegung zu schaffen, bei der Gewalt keinen Platz hat.
Es braucht eine ganze Stadt, um der Stigmatisierung von Betroffenen von Gewalt entgegenzuwirken und Zivilcourage zu steigern. Damit sich die Nachbarschaft für ein friedliches Miteinander einsetzt, können verschiedene Hebel bewegt werden:
Im Kindergarten wird beim Elternabend über das Thema gesprochen, im Einkaufszentrum wird ein Informationsstand aufgebaut. Die Hausmeister*innen hängen Informationsblätter in der Wohnanlage auf. Die Schule integriert das Thema in den Unterricht. Es werden Veranstaltungen zum Thema Partnergewalt, Gleichstellung und gesunde Beziehungen organisiert.
Männer setzen sich mit Männern zusammen, reden über Gewalt und was jede einzelne Person dagegen tun kann. Im Schaufenster vom Supermarkt hängt ein Plakat mit Nummern von Beratungsstellen – bei Geschäften, im Gasthaus und in medizinischen Praxen sowieso. Frauen* huschen nicht mit Sonnenbrille durchs Treppenhaus, weil sie sich schämen, sondern klingeln bei Nachbar*innen, holen sich Rat. Sie wissen, sie werden auf Verständnis und Unterstützung treffen. Gewalt in der Partnerschaft wird zum öffentlichen Thema.
Eine solidarische Nachbarschaft, die sich klar gegen Partnergewalt positioniert, leistet wichtige Präventionsarbeit und rettet vielleicht auch Leben.
Die Wirkung bleibt bestehen: Durch Ausbildung von Multiplikator*innen, regionale Kooperationen und Nachbar*innen, die wachsam und aktiv sind und bleiben, wächst das Projekt über seine Laufzeit hinaus weiter. Es entsteht ein lebendiges Netzwerk, das Prävention, Sensibilisierung und gegenseitige Hilfe langfristig im Gemeinwesen verankert.
So verändert StoP von lilawohnt im Tiroler Unterland Schritt für Schritt das, was unsere Region zusammenhält – Miteinander, Mut und Menschlichkeit – nachhaltig und generationenübergreifend.
Auf den Fotos ist lilawohnt StoP Koordinatorin in Hall in Tirol und in Schwaz bei ihren gewaltpräventiven Aktivitäten zu sehen.
(1) Das StoP Konzept wurde 2006 von Prof.in Dr.in Sabine Stövesand von der Hochschule (Fakultät Wirtschaft und Soziales, Department Soziale Arbeit) Hamburg entwickelt und ist ein urheberrechtlich geschütztes Konzept.





